Samstag, den 21. Februar 2026 um 19.30 Uhr
À la française – Der Tanz im Norden
Louis Couperin
Suite in d
Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Canaries, Chaconne
Georg Muffat
Passacaglia in g
Dietrich Buxtehude
Suite in d
Allemande d’Amour, Courante, Sarabande d’Amour, Sarabande II, Gigue
Georg Böhm
Praeludim in g
Präludium, Fuga, Postludium
Johann Sebastian Bach
Französische Suite in G
Allemande, Courante, Sarabande, Gavotte, Bourée, Loure, Gigue
Im 17. Jahrhundert liegt über Europa ein neuer Klang von Eleganz und Ordnung: die französische Tanzsuite. Vom Glanz des Versailler Hofes breiten sich ihre Formen, Rhythmen und Gesten über den Kontinent aus. Auch jenseits der französischen Grenzen beginnt man, in diesen Schritten zu denken und zu komponieren – im Norden ebenso wie im Süden. Dieses Programm folgt dem Weg dieser Musik von ihren Ursprüngen bis zu ihrer Vollendung im deutschen Barock.
Am Beginn steht Louis Couperin (1626–1661), einer der stillen Pioniere der französischen Clavierkunst. Sein Prélude non mesuré eröffnet die Suite mit frei schwebenden Klängen, ohne festes Metrum, beinahe wie aus dem Augenblick geboren. Zeit scheint hier gedehnt, der Puls verborgen. Erst aus dieser offenen Klanglandschaft treten die Tänze seiner d-Moll-Suite hervor – von feiner Melancholie, innerer Ruhe und zurückhaltender Eleganz geprägt.
Eine der faszinierendsten Gestalten dieses musikalischen Europas ist Georg Muffat (1653–1704). Seine Lebensreise führte ihn von Savoyen nach Paris, wo er den französischen Stil im Umkreis Jean-Baptiste Lullys kennenlernte, und weiter nach Rom, wo er bei Arcangelo Corelli in die italienische Kunst des Konzerts und der Sonate eingeführt wurde. Was andernorts nebeneinanderstand, verband Muffat bewusst: französische Tanzkunst und italienische Ausdruckskraft. Als Kapellmeister in Salzburg und Passau brachte er diesen europäischen Stil in den deutschen Raum. Seine Passacaglia, getragen von einer stetig wiederkehrenden Basslinie, entfaltet über strengem Fundament einen stetigen Strom von Verwandlungen – ruhig, kraftvoll und von innerer Spannung erfüllt.
In der Suite d’amour von Dietrich Buxtehude (1637–1707) begegnet uns die französische Tanzform in norddeutscher Handschrift: innig, von warmer Klangrede und zugleich von tiefer Innerlichkeit durchzogen.
In besonderer Weise schliesst nun Georg Böhm (1661–1733) den Kreis zum Beginn des Programms. Wie bei Couperin wird der musikalische Raum zunächst in einem frei improvisatorisch wirkenden Präludium geöffnet. Darauf folgt eine kunstvoll gearbeitete Fuge, in der sich die zuvor frei gesetzte Bewegung in klare Ordnung sammelt. Ein Postludium beschliesst schliesslich den Bogen. Freiheit – Ordnung – Rückkehr: Der architektonische Gedanke des Programms tritt hier in reiner Form hervor und spiegelt den Weg vom französischen Improvisationsgeist zur deutschen Strukturkunst.
Den Zielpunkt dieser musikalischen Reise bildet Johann Sebastian Bach (1685–1750). In seiner Französischen Suite in G-Dur wird der Stil «à la française» nicht nur aufgegriffen, sondern in höchster Kunst veredelt: klar, ausgewogen, voller innerer Bewegung. Hier findet die europäische Wanderschaft der Tanzformen eine vollkommene Synthese.
So spannt dieses Programm einen weiten Bogen – vom freien Tasten der frühen französischen Improvisation bis zur architektonischen Klarheit Bachs, vom höfischen Tanz zur inneren Sammlung, vom französischen Glanz zur norddeutschen Tiefe.
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Anmeldung erbeten bis Freitag, 20. Februar 2026
Tizian Naef

Tizian Naef studierte Cembalo bei Marieke Spaans am Institut für Alte Musik an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen, wo er im Jahr 2012 in den Studiengängen Diplom-Musiklehrer und künstlerische Ausbildung seinen Abschluss erlangte. Im selben Jahr erreichte er mit dem Ensemble 392 beim Deutschen Musikwettbewerb in Bonn das Finale. Weitere Impulse in diesen Jahren kamen von Künstlerpersönlichkeiten wie Linde Brunmayr-Tutz, Lorenz Duftschmid, Rolf Lislevand, Anton Steck und Lars Ulrik Mortensen. Das folgende Studium in Generalbass und Ensembleleitung an der international renommierten Schola Cantorum Basiliensis bei Jesper Christensen gab viele Anreize zu einem stilistisch differenzierten Generalbassspiel. Ergänzt wurde das Studium durch den Studiengang Maestro al cimbalo bei Andrea Marcon, welches er im Sommer 2015 sehr erfolgreich abschliessen konnte. Seit 2016 veröffentlichte er mehrere CDs beim österreichischen Alte Musik Label fra bernardo, sowohl mit dem Ensemble 392 (Bouillabaisse, L’Europpe) als auch als Solist (ex g, Clavier-Büchlein). Seine Konzerttätigkeit führte ihn unter anderem an die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, ins Konzerthaus Berlin, an den Brunnenthaler Konzertsommer, an die Residenzwoche München sowie das Resonanzen-Festival Wien. Seit 2015 unterrichtet er an der Kreismusikschule Seetal.

